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Wasserstoff- infrastruktur: Konzept der österreichischen Gaswirtschaft als Blaupause für europäische De-risking-Debatte?



Die österreichische Gaswirtschaft hat unter dem Dach des Fachverbands Gas Wärme (FGW) einen konkreten Vorschlag für den Hochlauf der Wasserstoff-Transportinfrastruktur entwickelt. Im Zentrum steht die Frage, wie Investitionen in Netze ermöglicht werden können, obwohl Nachfrage, Produktionsstandorte und Marktpreise noch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind.

Ausgangspunkt des Konzepts ist die Diagnose eines strukturellen Problems: Der Wasserstoffhochlauf scheitert weniger an technischen Fragen als an fehlender Investitions- und Erlössicherheit. Insbesondere das Mengenrisiko, also die Unsicherheit über die tatsächliche zukünftige Nachfrage, kann von Netzbetreibern nicht getragen werden und erfordert eine klare staatliche Absicherung.

Als zentrale Antwort darauf wurde ein integriertes Modell aus Netzplanung und Finanzierung entwickelt. Auf der Infrastrukturseite wird ein sequenzieller Aufbauansatz vorgeschlagen, der zwischen einem strategisch definierten Startnetz und einem bedarfsorientiert wachsenden Kernnetz unterscheidet. Während das Startnetz sofort realisiert werden soll, erfolgt der weitere Ausbau entlang konkreter Kapazitätsbedarfe und vertraglicher Zusagen. Ziel ist es, Investitionen weder zu früh (Stranded Costs) noch zu spät (Standortnachteile) auszulösen.

Den Kern des Finanzierungskonzepts bildet ein Hochlaufkonto mit staatlicher Garantie, kombiniert mit gedeckelten Netzentgelten. Dieses Modell ermöglicht eine intertemporale Kostenverschiebung: Anfangs entstehende Finanzierungslücken werden vorübergehend durch staatlich abgesicherte Mittel gedeckt und später über ein wachsendes Nutzerkollektiv ausgeglichen. Dadurch werden hohe Anfangskosten vermieden und gleichzeitig Investitionssicherheit geschaffen. Ergänzt wird das Modell durch europäische Instrumente wie Cross-Border Cost Allocation (CBCA) und (europäische) Fördermittel (CEF), insbesondere für grenzüberschreitende Infrastrukturprojekte. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die aktive Rolle des Staates bei der Absicherung der Frühphase des Markthochlaufs – das Risiko einer europäischen Wasserstoffwirtschaft kann von einzelnen Unternehmen nicht geschultert werden.

Vor diesem Hintergrund lassen sich deutliche Parallelen zur aktuellen Konsultation von ENNOH und ENTSOG erkennen. Auch auf europäischer Ebene wird das Mengen- und Erlösrisiko als zentrale Hürde identifiziert. Die vorgeschlagenen Instrumente – insbesondere intertemporale Kostenallokation, staatliche Garantien und zentrale europäische Mechanismen – zielen ebenfalls darauf ab, Investitionen in antizipative Infrastruktur zu ermöglichen.

Für die laufende Konsultation von ENTSOG und ENNOH bedeutet das: Nationale Modelle wie das FGW-Konzept können helfen, die europäischen De-risking-Ansätze mit Leben zu füllen – und so den Schritt von strategischen Papieren hin zu konkreten Investitionsentscheidungen zu verkürzen.
 
Das Konzeptpapier finden Sie hier.
 
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